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Non-Hierarchicality in Grammar

Non-Hierarchicality in Grammar (NonGram) - Nicht-hierarchische Strukturen in grammatischen Systemen

Emmy-Noether-Forschungsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
Beginn: 01.02.2019, Dauer: 5 Jahre

Das NonGram-Projekt wird von Prof. Dr. Uta Reinöhl geleitet. Zunächst angesiedelt an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (FB 05, Department of English and Linguistics, Language Typology) ist es nun am Sprachwissenschaftlichen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität angesiedelt. Zum Projektteam gehören Kirsten Culhane, Naomi Peck, Maria Vollmer und Simon Fries. T. Mark Ellison begleitet das Projekt als Mercator Fellow.

In diesem Projekt wird der Variationsraum nicht-hierarchischer Syntax im über-einzelsprachlichen und kategorialen Vergleich erforscht. „Nicht-hierarchische Syntax“ beschreibt das Phänomen, dass Lexeme derselben Art – d.h. derselben Wortart – ohne weitere Anpassungen (z.B. spezielle morphologische Markierung oder Kompositabildung) zu komplexen syntaktische Konstruktionen kombiniert werden. Beispielsweise ist es in der austronesischen Sprache Wooi möglich, mehrere „verbale“ Lexeme in einem Satz zusammenzufügen, z.B. huo mai thau ‘heben kommen stellen’, ein als „Verbserialisierung“ bekanntes Phänomen. In anderen Sprachen wie dem australischen Warlpiri kann man mehrere „nominale“ Lexeme kombinieren, z.B. kurdu-ngku wita-ngku (Kind.ERG klein.ERG), was entweder mit ‚kleines Kind‘ oder ‚kindliches kleines Ding‘ wiedergegeben werden kann.Nicht-hierarchische Konstruktionen dieser Art fehlen weitgehend in den Sprachen Europas, wo komplexe Ausdrücke normalerweise aus Lexemen unterschiedlicher Wortarten bestehen (in Abwesenheit von Anpassungen). So besteht z. B. warm days aus einem Adjektiv und einem Nomen, und runs fast aus einem Verb und einem Adverb. Solche stärker sub-kategorisierten Wortklassensysteme stehen seit über einem halben Jahrhundert im Zentrum syntaktischer Theoriebildung und es wird häufig als selbstverständlich angenommen, dass bspw. eine Nominalphrase von einem einzigen Element N projeziert wird, oder eine VP von einem V. Wie sind jedoch Konstruktionen strukturiert, die aus mehreren Ns oder aus mehreren Vs bestehen? Existiert dort gar keine hierarchische Strukturierung? Was für semantische Muster finden sich? Und welche Faktoren steuern, welches Element welche syntagmatische Position erhält? Die Erforschung nicht-hierarchischer Syntax über Sprachen und Kategorien hinweg wird neue Einblicke in den möglicherweise fundamentalsten syntaktischen Mechanismus menschlicher Sprache eröffnen, nämlich in den Aufbau komplexer Strukturen aus Einzel-Bausteinen. Dieses Projekt stellt dabei die erste detaillierte Untersuchung des Variationsspektrums nicht-hierarchischer Syntax dar. Wichtige Grundlagen sind Arbeiten zu flexiblen Wortklassen, Verbserialisierung, Nicht-Konfigurationalität, sowie zur Kodierung von Entitäten im Kontrast zu Handlungen.Vier Sprach-Korpora werden im Projektteam untersucht werden um herauszuarbeiten, welche Strukturen kategorien- oder sprach-spezifisch sind, und welche möglicherweise generelle Merkmale nicht-hierarchischer Syntax darstellen. Die Fokussierung auf eine kleine Zahl an Sprachen leitet sich direkt aus der Forschungslage ab: Da dieses Thema bislang kaum eingehend untersucht ist, sind zunächst detaillierte, qualitative Studien verlangt. Ausgewählt sind das vedische Sanskrit (indogermanisch, bearbeitet von Prof. Dr. Uta Reinöhl und Simon Fries) und das Warlpiri (Pama-Nyunga, bearbeitet von Maria Vollmer) für Ausdrücke, die Entitäten beschreiben, sowie das Waima’a (austronesisch, bearbeitet von Kirsten Culhane) und das Kera’a (sino-tibetisch, bearbeitet von Naomi Peck) für solche, die Handlungen ausdrücken.